KARMIN

Das infektionspräventive Patientenzimmer

Das infektionspräventive Patientenzimmer der Zukunft

KARMIN

Ausstellung vom 27.10.2020-22.11.2020

Das KARMIN Patientenzimmer auf dem Campus Mitte der Charité Universitätsmedizin Berlin


Ihre Meinung ist uns wichtig! Besichtigen Sie jetzt das KARMIN Patientenzimmer in Berlin. Falls Sie an einer Besichtigung mit anschließender Befragung teilnehmen möchten, können Sie gerne hier einen Termin buchen. Bitte bringen Sie einen Mund- und Nasenschutz mit.

Standort des KARMIN Patientenzimmers

Charité – Universitätsmedizin Berlin

Campus Charité Mitte

Virchowweg 10

10117 Berlin

Das KARMIN-Patientenzimmer befindet sich auf dem Platz zwischen dem Forschungsgebäude CharitéCrossOver und dem Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie.

Das Forschungsvorhaben

Hintergrund

30.000 Todesfälle im Jahr aufgrund nosokomialer Infektionen

Nationale und internationale Leitlinien fordern die Isolierung von Patienten mit multiresistenten Erregern in Einbettzimmern. Durch die steigende Inzidenz dieser Erreger wird die Umsetzung dieser Empfehlungen aber immer schwieriger. Zudem ist die ausschließliche Nutzung von Einbettzimmern mit mehreren Nachteilen und höheren Kosten verbunden. Diese Konsequenzen wurden bisher in Deutschland nicht wissenschaftlich evaluiert, um harte Daten für die Entscheidungsfindung vorzulegen. Die meisten multiresistenten Erreger werden vor allem durch Kontakt übertragen, so dass eine transmissionsfreie Pflege von Patienten mit diesen Erregern in Zweibettzimmern möglich sein sollte. Es fehlen allerdings Studien zur möglichen Ausstattung von Zweibettzimmern mit zwei Nasszellen, alternativ mit zwei Toiletten oder selbst desinfizierbaren Sanitärbereichen als Alternative. Zur Besiedlung von Krankenhausneubauten durch Mikroorganismen und möglichen Einflussfaktoren gibt es bisher ebenfalls keine Untersuchungsergebnisse.

Forschungsziel

Architektur statt Antibiotikum

Das Projekt KARMIN untersucht, ob als Reaktion auf das vermehrte Auftreten von multiresistenten Erregern in Deutschland zukünftig Zweibettzimmer so ertüchtigt werden können, dass sie auch im Sinne der Infektionsprävention eine Alternative zum Einbettzimmer darstellen. Im Ergebnis soll ein Demonstrator für infektionsprophylaktisch sinnvoll ausgestattete Zweibettzimmer inkl. der Nasszelle realisiert werden. Dieses „Patientenzimmer der Zukunft“ soll Antwort geben, ob das Zweibettzimmer ausreichend infektionssicher für die Unterbringung der Patienten geeignet ist.

Die Untersuchung des Krankenhausmikrobioms bei der Neubesiedlung soll wichtige zusätzliche Hinweise für den Bau und Betrieb von Krankenhäusern im Hinblick auf die Infektionsprävention liefern. Dabei stellt der Erstbezug des neu renovierten Charité Bettenhochhauses den Rahmen der Untersuchung dar. Ziel ist es herauszufinden, welche Rolle architektonische Gegebenheiten (Vergleich Mehrbett- und Einbettzimmer) bzw. verschiedene Reinigungsregimes (Vergleich Flächendesinfektion und Flächenreinigung) bei der Entstehung und in der Diversität des Mikrobioms und im Aufkommen multiresistenter Bakterien spielen.

Der Projektverlauf

Von der Recherche bis zum Patientenzimmer der Zukunft


Ziel des ersten Arbeitsschwerpunktes ist die Planung und Umsetzung eines Patientenzimmers der Zukunft durch die TU Braunschweig und die Firma Röhl. Der besondere Fokus liegt bei den Themen der Infektionsprävention/Hygiene, dem Komfort des Patienten und der Arbeitsplatzqualität der Mitarbeiter.


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Wissenschaftliche Untersuchung

Mithilfe unterschiedlicher Methoden hat sich das Karmin-Team dem Thema der baulichen Infektionsprävention im Patientenzimmer genähert. Hierzu dienten  Klinikbesichtigungen, Hospitationen im Krankenhaus aber auch die Recherche und Analyse relevanter Literatur und aktueller Studien. Die Expertise von Fachexperten und einzelnen Nutzern des Patientenzimmers wurde gezielt in Workshops abgefragt und dokumentiert.

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Konzept und Entwurf

Auf Grundlage der Erkenntnisse der Analyse wurde ein Entwurf für ein infektionssicheres Zweibett- atientenzimmer mit zwei Nasszellen entwickelt. Für die Wahl von geeigneten Materialien und Oberflächen wurden bereits in der Entwurfsphase Produkthersteller zu Rate gezogen und schon früh in den Entscheidungsprozess mit eingebunden. Auf diese Weise ist ein Netzwerk aus Industriepartnern entstanden, das die Entstehung des Demonstrators begleitet und durch seine Kooperation unterstützt hat.

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Planung und Bau I


Die Ausführungsplanung fand in enger Abstimmung mit den Industriepartnern und dem Verbundpartner Firma Röhl statt. Eine gute Zeitplanung und erfolgreiche Zusammenarbeit mit über 17 Industriepartnern machte die Errichtung des Demonstrators in wenigen Monaten möglich. Dabei sind die Produkte bereits im Vorfeld optimiert und weiterentwickelt worden, um die besonderen Anforderungen an das infektionssichere Patientenzimmer zu erfüllen und dem Anspruch an eine innovative Ausstattung gerecht zu werden. Mit allen notwendigen Anschlüssen ausgestattet, wurde der Demonstrator auf dem Gelände der Firma Röhl in Waldbüttelbrunn realisiert.

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Optimierung


Die Optimierungsphase diente dazu, die Entscheidungen bei Farb- und Materialwahl, aber auch die Umsetzung baulicher Anschlüsse und Planungsdetails genauer überprüfen zu können. Es wurden mehrere Begehungen durch das  Projektteam, die Forschungs- und Industriepartner durchgeführt und jede Planungsentscheidung gemeinsam evaluiert. Insbesonderen die Industriepartner haben die Möglichkeit gehabt, ihre eigenen Produkte im eingebauten Zustand zu beurteilen. Auf diese Weise konnten Anpassungen für eine bessere Handhabung von Ausstattungsgegenständen
vorgenommen werden. Auch eine verbesserte Ausführung von Installationsarbeiten zur Vermeidung von baulichen Schwachstellen konnte so noch bis zur Fertigstellung realisiert werden.

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Bau II und Evaluation

Für den Bau II des Patientenzimmers sollen nun die Erkenntnisse und die
Erfahrungen der bisherigen praktischen Ausführung dienen, um den verbesserten Demonstrator einem breiten Fachpublikum vorzustellen.
Dieser wird im Rahmen der ‚World Health Summit‘ -Konferenz auf dem Gelände der Charité in Berlin ausgestellt. Neben gewählten Fachexperten werden auch relevante Nutzergruppen aus dem klinischen Alltag die Möglichkeit haben, das KARMIN-Patientenzimmer am Objekt
auf seine Tauglichkeit in Bezug auf die Nutzung und die Infektionsprävention zu beurteilen. Die Befragung dieser Personengruppen bildet Grundlage für die Evaluation des neu entstandenen Zweibett-Patientenzimmers mit zwei Nasszellen und soll hilfreiche Erkenntnisse liefern hinsichtlich seiner Übertragung in die Praxis der modernen Patientenzimmerplanung und Gestaltung.

Das Krankenhaus-Mikrobiom

Wie ist ein Patientenzimmer kolonisiert?



Das übergeordnete Ziel des zweiten Arbeitsschwerpunktes im Projekt ist die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen nosokomialen Infektionen sowie multiresistenten Erregern und dem Umgebungs- bzw. Patientenmikrobiom, den architektonischen Gegebenheiten im Krankenhaus und dem Reinigungsregime der Patientenzimmer. Der Lösungsweg umfasst dabei zunächst die Erarbeitung des Studienablaufs und des Studienprotokolls. Danach wird in einer Pilotstudie an einem beispielhaften Patientenzimmer das Studienprotokoll getestet und ggf. nachgebessert.

In einem nächsten Schritt erfolgt die Erhebung der Abstriche aus den Patientenzimmern, aus der Umgebung und den Patienten durch die Charité Berlin. Dies erfolgt nach Studienprotokoll zugeordnet in Ein- und Zweibettzimmern, Normal- und Intensivstationen sowie in Zimmern unterschiedlichen Reinigungsregimes (Schlussdesinfektion vs. Schlussreinigung). Die Abstriche werden weitergeleitet zum Kooperationspartner SEP zur Analyse des Mikrobioms. Von hier aus erfolgt die kontinuierliche Rückspiegelung der Daten, sodass eine kontinuierliche Qualitätsüberwachung, sowohl des Abstrichprotokolls, aber auch der Dateneingabe und –verarbeitung erfolgen kann.

In einem finalen Schritt werden die Daten validiert und nach Plausibilität überprüft. Dieser Schritt ist besonders sensibel und zeitaufwendig. Die Plausibilitätsanalyse erfolgt in enger Zusammenarbeit zwischen den Kooperationspartnern der Charité Berlin und Septomics. Danach werden CB und SEP in Kooperation die Daten auswerten und mathematisch-statistisch analysieren, sowie anschließend aus infektiologisch-hygienischer Sicht interpretieren und den Abschlussbericht erstellen.


Das Patientenzimmer

Planung und Gestaltung


Die Planung eines Patientenzimmers ist von enormer Komplexität. Es gilt, pflegerische Anforderungen, Erkenntnisse der Mikrobiologie (insbesondere im Hinblick auf Krankenhausinfektionen), Bedürfnisse der Patienten sowie ökonomische Belange der Krankenhausbetreiber in Einklang zu bringen. Die Publikation erläutert die Planungsparameter und stellt mustergültige Beispiele vor.


  • Grundrissanalysen von 25 internationalen Patientenzimmern
  • Wissenschaftlich fundierte typologische Darstellung unter Einbezug der Infektionsforschung
  • Für Architekten wie für Mediziner von Interesse


Die Publikation erscheint neu im November 2020.